Devil is evil
Das Licht der Morgensonne brach sich an der Glaskuppel des Panthera-Onca-Towers und fiel sanft auf die Wasseroberfläche des 2000-Hektoliter-Beckens, das sich über das Dachgeschoß, sowie die darunterliegenden sieben Stockwerke erstreckte. Eine architektonische Meisterleistung, die noch vor wenigen Jahren von Experten für unmöglich gehalten wurde -- bis Rainer Jaguar die nötigen Berechnung selbst durchführte und das Gegenteil bewies. Er lächelt bei dem Gedanken daran, entstieg dem kühlen Naß und schlüpfte in seinen bügelfeuchten Seidenpullunder um sich der allmorgendlichen Lomi-Lomi-Massage hinzugeben. Seit Tagen schon war er für niemanden zu sprechen und nur selten in seiner Bibliothek anzutreffen. Hier im Herzen Lissabons, 400 Meter über dem Erdboden fand er die Ruhe, der er bedurfte. Eine Zeremonie, die sich monatlich wiederholte. Noch vier Stunden, dann würde er in seinem Harrier-Senkrechtstarter bereits die Pyrenäen überquert haben. Sollte er selbst fliegen?
Niklas K. schenkte der Welthungerhilfe ein
Lächeln, zwang sich in seinen Gymnastikanzug und nahm
Abschied von den Mangroven. Karitative Auftritte wie
dieser halfen ihm über den Verlust seiner Liebesfähigkeit
hinweg. Auf Knien robbend durchquerte er den hüfthohen
Schlamm und suchte in der stechenden Sonne nach einem
Zeichen. Wieder einmal tänzelten Moskitos auf seiner
Stirn, ein gutes Zeichen. Niklas K. paddelte auf dem
Rücken, zuckte, atmete wie ein Frosch und sehnte sich nach
dem etliche Tagesmärsche entfernten Kohlehäuflein, das ihm
in der Einsamkeit ein liebgewonnener Schlafplatz geworden
war. Gerade hämmerte ihm der Monsun seine Liebe in den
ausgezehrten Körper, als Niklas K. weit oben am blauen
Himmel das vertraute Summen der Harrier vernahm, und
anders als für seine 14 Schwestern schien dieser
4. Sonntag eine bedeutende Wendung zu nehmen.
Jeden 4. Sonntag des Monats von 20 bis 22 Uhr
rainer.jaguar@devilisevil.net
niklas@devilisevil.net

